herobanner

Ich komme gerade richtig in Fahrt – und das liegt an der Beschleunigung des ICEs von München nach Frankfurt, in dem ich beim Schreiben dieser Zeilen sitze, und meinem Gepäck. Seit gut zwei Wochen nutze ich ein sogenanntes Ultrabook, also einen der neuen ultraflachen Laptops, bei denen man angeblich keine Kompromisse in Bezug auf Leistung und Batteriedauer eingeht. Das wird am eigenen Leib getestet. Mein Testobjekt ist der U300S von Lenovo, eines der allerersten Geräte aus der Serienproduktion, noch mit amerikanischer Tastatur. Beim Ausprobieren macht sich aber zwanzig Jahre Arbeit am PC bezahlt: ich bin inzwischen Blindtipper. Umlaute und Satzzeichen (die sich optisch teilweise nicht auf dem Keyboard befinden) gehen weiterhin locker von der Hand, auch Z und Y sind in meinem Text nicht vertauscht. Da hatte ich mit mehr Problemen gerechnet, interessant, was man nach vielen Jahren noch über sich selbst erfährt.

Die Tastatur des U300S ist für mich ein Highlight. Irgendwie hat sie einen genau den Mittelpunkt getroffen aus präzisem Anschlag und einer, wie soll ich sagen, „Weichheit“, auf der das Tippen trotz minimalem Tastenhubs Spaß macht. Vielleicht ist es auch nur der Kontrast zwischen dem harten Aluminiumgehäuse und den weicheren Plastiktasten, der dem Hirn dieses Tippgefühl vorgaukelt.

U300s_Graphite Grey_tour_07In jedem Fall ist dieses Ultrabook pfeilschnell. Schneller als mein vor zwei Jahren teuer gekaufter „Mobile Workstation“ Laptop, den ich schon seit Monaten nicht mehr vom Schreibtischplatz wegbewege. Merke: 8 Gigabyte RAM machen Windows 7 nicht so viel schneller wie ein SSD-Laufwerk, mit welchem das „Page Swapping“ (die Auslagerung von Sachen aus dem RAM auf die Festplatte und zurück) praktisch nicht mehr spürbar ist. Schön, daß ein Gerät - nicht viel größer als ein Netbook - mein schnellster Computer für Outlook ist. Schlecht, daß es nur ein Leihgerät ist und demnächst wiederzurückkehren muß.

Bisher hab ich, mangels praktischer Erfahrung, SSD-Laufwerke als eher teure Spielerei abgetan. Ich bin 100% bekehrt und denke schon drüber nach, wie ich in meinen All-In-One zu Hause eine SSD nachrüsten kann. Lenovo wirbt bei diesem und anderen Notebooks mit SSD (und anderen technischen Tricks) auch über die enorm kurzen Bootzeiten, wobei mich diese kaum interessieren. Seit Windows 7 boote ich meine Rechner nur selten, nutze immer den Ruhezustand und da ist man auch auf Festplattengeräten sehr schnell nach dem Einschalten einsatzbereit. Trotzdem schön zu sehen, wenn beim Einschalten des PCs nicht mal Zeit für die Start-Animation bleibt, die rüde vom Login-Screen unterbrochen wird.

Das Tippgefühl stimmt, die Geschwindigkeit verblüfft und die Batterielaufzeit auch. Sechs Stunden am Stück sind verläßlich und ohne Tricks und doppelten Boden drinnen. Ja, da ginge mehr, aber so lange will ich gar nicht am PC arbeiten.  Und da die Batterie nicht auswechelbar ist (der Tribut, den das kleine Gehäuse verlangt), fragt mich mein PC überraschend, ob ich denn bei Betrieb am Stromnetz (ICE 1.Klasse sei Dank) nicht die Batterie schonen und teilentladen will. Sehr clever, denn ein moderner LiOn-Akku hält bei 40-50% Ladung länger, als wenn er ständig nutzlos auf 100% hochgepeitscht wird.

Acer S3_RSODer Gewichtsvorteil eines Ultrabooks auf Reisen wird übrigens negiert, wenn man zwei davon mit sich rumschleppt. In meiner Umhängetasche ist auch der S3 von Acer, welchen ich noch nicht eingerichtet habe, aber heute abend auf der Veranstaltung auch zeigen werde. Es ist nicht ganz so schnell, nicht ganz so schick – aber bei 800 Euro Listenpreis gehe ich gerne Kompromisse ein. Wie sich der Acer S3 im täglichen Arbeiten anfühlt, werde ich demnächst hier berichten.

Kompromisse muß man allerdings bei den Anschlüssen der Ultrabooks machen. So haben die meisten Ultrabooks nur WLAN, aber keinen Netzwerk-Port. Das ist für mich tatsächlich ein Problem, da unser Firmennetz erst einmalig einen Rechner per Kabel authentiziert, bevor er in das WLAN darf. Da hilft dann ein USB-Ethernet-Adapter. Der führt mir aber vor Augen, daß diese Ultrabooks in der Regel nur zwei USB-Ports haben und dann noch einen HDMI-Port (manchmal gar nur als Mini oder Micro HDMI Buchse). Den PC dann an einen konventionellen Beamer anschließen, der nur VGA kennt, ist doof. Gerade für Studenten ist das eine ziemliche Behinderung. Und dann liegen oft diese Ports an den linken und rechten Seiten, auch der Stromanschluß, was die schöne Optik ziemlich lädiert. Nur der preiswerte Acer S3 hat Strom, HDMI und USB an die Rückseite gelegt, was mir persönlich viel mehr zusagt.

Trotzdem, alleine der Gedanke, daß dieser PC hier dünner ist als viele Monatszeitschriften, aber trotzdem sechs Stunden mit hoher Geschwindigkeit für mich rechnet, läßt mich staunen. Was werden wir wohl in zehn Jahren an Rechnerleistung mit uns herumtragen?